… und Hilfe, mein Blog schreibt sich von selbst.
Weder habe ich den ersten Text final verschlimmbessert, noch bin ich überhaupt online, da komme ich auch schon nicht umhin, mich augenblicklich an den nächsten Eintrag zu setzen. Generell gibt es echt jede Menge Zeug, das ich gedenke mit Euch zu teilen. Statt heftig nach Inspiration suchen zu müssen, um mich als neuen Autorinnenstern am Internethimmel in Schöpfungsgewalt zu präsentieren, fällt mir vor lauter Synapsen-Feuerwerk, simples Priorisieren verdammt schwer. Ja und Energiehaushalt ist ein Thema, eins für sich, eins von Vielen. Zum heutigen Braindump (xxxx) ging dennoch keine Entscheidungsfindung voraus, es hat sich in einer Vehemenz aufgedrängt, wie ich sie sonst nur von Essen in Fernsehwerbung kenne. Doch zurück oder überhaupt erst hin zur brennenden Sache …
Halts Maul Krebs, Du bist ein Tabu.
Wenn man von Krebs betroffen ist, beschäftigt man sich mit Krebs. So weit, so gut, so logisch. Was mich jedoch zwanghaft beschäftigt, ist der nachgelagerte Eindruck, wie sehr der Umkehrschluss dieser Aussage funktioniert. Krebs ist ein Tabu, oder? Etwas, vor dem man sich fernhält und schützt. Meines Erachtens lässt sich dieser Effekt sogar ausweiten auf die Rubrik „Krankheit und Tod“ im Allgemeinen. Aber worum geht es da wiederum konkret? Den eigenen Seelenfrieden bewahren? Das zu vermeidende Stimmungsstörpotential? Die Konfrontation mit Endlichkeit? Problemraumbeanspruchung?
Leider befinden Sie sich außerhalb unserer Komfortzone. Bitte ziehen Sie sich zurück.
Ich finde es übrigens keinesfalls erstrebenswert, sich permanent mit Medieninhalten zum Leid der Welt zuzuballern, ganz im Gegenteil, kann ich mir beim besten Willen keinen kausal-gesundheitsförderlichen Effekt vorstellen. Doch in einer Gesellschaft, in der nahezu jeder, zumindest eine Person im mittleren Kontaktradius aufweist, die in unmittelbarer Konfrontation mit unserer, speziesbedingt nun mal überschaubaren Existenzspanne ist, ganz zu schweigen von den 18,7 Mio. Senior*innen in Deutschland, die per se dazu zählen – erscheint es da nicht mindestens ein bisschen irritierend, wie wenig dieses, unbestreitbar unser aller, „Ins-Gras-Beiß-Potenzial“ auch ansatzweise stattfindet? Ganz offensichtlich liegen jene Angelegenheiten deutlich außerhalb unserer Komfortzonen. Inwiefern sollte es also überhaupt etwas bringen, darüber hinauszugehen?
Was es bringen könnte, lerne ich gerade in völlig neuem Kontext kennen. Bei Weitem nicht in dem Maß, wie das bei anderen kicken muss, und doch ausreichend, mich zu erschrecken und einen Punkt mehr auf die Liste der Herausforderungen zu setzen: Außenwirkung und Kommunikation.
Ungeahnte Kommunikations-Galaxien: Hallo Bewohner*innen, ich komme in Frieden.
Dabei war ich immer überzeugt von meinem intuitiv sicheren Umgang mit Menschen und das verlässliche, automatisierte Gespür für Situation, doch was soll ich sagen – ich glaube es hat aufgehört, geringstenfalls drastisch nachgelassen. Eigentlich bin ich ein sehr offener, direkter Mensch. Black Boxen, Geheimniskrämerei, sich in beidseitiger Unausstehlichkeit freundlich ins Gesicht lächeln, Büro-Buschfunk-Eskapaden – all das widerstrebt mir, ja begreife ich erst gar nicht. Mein kommunikativer Weg war schon immer gerade aus. Wertschätzend, nett, freundlich, wenn´s geht (ein Anspruch zu dem ich mich sukzessive entwickelt habe und noch immer entwickle) und eben geradeaus (nicht entwicklungsbedürftig). Die Reaktionen darauf kenne ich zur Genüge. Das Überraschungsmoment lag stets auf meiner Seite. Ich war souverän und klar, Interaktion leicht und machte Spaß. In Bezug auf und mit der nun mitreisenden Krebsdiagnose, kommen viele neue bzw. neu- und mehr-dimensionierte Aspekte ums Eck, die mich immer weiter in ungewohnt ungewohntes Terrain führen. Angestoßen vom dahingehenden Verständnis-, Entwicklungs- und Bearbeitungsinteresse, möchte ich Euch die frisch-fremde Brise absurd-facettenbunter Gesprächsdynamik hiermit gerne in Form eigens kreierter Personas um die Nase wirbeln:
Der/ die Totalcher*in
Zeichnet sich durch maximale Abgeklärtheit und enormes, sich selbst zugeschriebenes Fachwissen aus. Er/ sie blickt auf bahnbrechenden Informationsschatz, wahlweise zurückzuführen auf Erzählungen von Bekannten, Zeitschrifteninterviews, der eigenen spirituellen und/ oder alternativmedizinischen Grundhaltung oder besonders schön: höchstselbst generiert – weil ja auch schon fast Krebs oder heftigen Schluckauf oder so gehabt. Relativ prompt und insofern erstaunlich, als kaum von Irritation oder gar Betroffenheit verzögert, gibt er/ sie eben die total selbstlos an Dich weiter. Letztlich müsse man sich nur an die Vielzahl daraus resultierender Ratschläge halten, dann wird das schon wieder, also natürlich nur, sofern Deine Seele nicht gänzlich dem Untergang geweiht ist, was uns auch schon zu einer hübschen Unterkategorie führt …
Der Stammtischmessias
Ein ganz besonderer kommunikativer Leckerbissen. In manifester Trivialspiritualität vermag er mit Glückskeksbotschaften um sich zu werfen, die in Qualität und Tiefgang zwar eher an die schlecht übersetzte Speisekarte des Chinarestaurants meins Vertrauens erinnern, aber natürlich nur, weil noch nicht auf dieser ehrwürdigen Entwicklungsstufe angekommen, versteht sich. Buddha-gleich gefestigt im Glauben an die gedämpfte Chop-Suey Ente, kann die betreffende Person, keine noch so schwere Krankheit seines Gegenübers erschüttern. Wenn das mal nicht vor Ehrfurcht erstarren und maximale Erleuchtung vermuten lässt. Insider-Tipp: Greift am besten direkt Kontakte zu befreundeten Spezial-Gurus ab, die über blöd Daherreden auch noch vermögen, in Euren Seelenplan zu schauen, den Sinn des Lebens aus Schuhsohlen zu lesen und / oder elfengleich vorzutanzen, welches fehlgeleitete Handeln deine nunmehr zu bewältigende Aufgabe heraufbeschworen hat. Sofern es sich dabei ebenfalls um Krebs handelt, sei dir sozusagen als „Spezial-Schmankerl“ schon mal folgende Frage in die Mitte gelegt: „Was frisst Dich eigentlich auf?“ Ha! Genial, oder? Gern geschehen!
Nicht so dein Ding oder heiße(r) Fegefeuerkandidat*in? Dann ist vielleicht die folgende Reaktionärin (ha-ha) eher etwas für Dich.
Die Alternativmedizinerin
Eine perfekte Muse für all diejenigen, die eigentlich schon immer in den Globuli-Krieg ziehen wollten, denen einfach vorher noch niemand erklärt hat, f
Dass diese in Ihrer Ursache vorwiegend auf übermäßigen Zuckerkonsum zurückzuführen sind, dürfte mittlerweile ja so ziemlich jeder nur halbwegs dinkelkundebelesenen Pappnase bekannt sein, also bitte Leute, wie um Himmels Willen konnte uns das Krebsding überhaupt passieren?! Keine Panik, immerhin weißt Du undiszipliniertes Stück Schokofallobst endlich eine Expertin an Deiner Seite. Deren Wundermittel lehrten schon Haarausfall, Scheidentrockenheit und so manch hartnäckigem Fußpilz das Fürchten. Wo deine hochstudierten Ärzt*innen nur eindimensionalen Schabernack auf Kassenkosten betreiben, bist Du nun endlich im sicheren Boot. Und Du kleines Dummerchen wolltest das Bahnbrechende erst gar nicht hören. Okay, ganz ehrlich: Du willst es immer noch nicht! – weil, mit Verlaub, der größte Bullshit, den du je gehört hast. Nicht Homöopathie pauschal, generell, auf ewig aber definitiv gerade, hier, jetzt im Speziellen. Wau. Zeit für etwas Abwechslung.
Mittelqueermöwe präsentiert …
Die Heulfritte und der Trauerkloß
Die Heulfritte ist in der Regel jemand aus dem eigentlich nahen Verwandtschaftskreis, mit dem du jedoch in keiner wirklich engen Beziehung stehst. Auf die, zugegeben recht unschöne, Neuigkeit hin, folgt ein Totalzusammenbruch, wie ihn deine gesamte Gefühlswelt auf einmal hinauskotzend kaum hergeben würde. Weder Worte der Einordnung, noch rationale Fakten zu Prognosen und Behandelbarkeit, scheinen durchzudringen. So findest Du Dich irgendwann eben damit ab, dass die Person wohl vorerst von Deinem Dahinscheiden ausgeht. Das ist okay. Etwas schräg, aber solange du dich davon nicht zum Abtreten verleiten lässt, fällt es wohl eindeutig in die Kategorie „Totgesagte leben länger“.
Der Trauerkloß verkörpert dagegen eine langfristige, fast kunstvolle Variation emotionalen Ausdrucks. Er tritt vermehrt im Kollegen- oder Bekanntenkreis auf, verbunden durch ein Umfeld, in dem Du in gewisser Regelmäßigkeit präsent bist. Meist besteht die signifikante Tendenz zum Pessimismus ohnehin. Selten handelt es sich um grundoptimistische oder gar enthusiastische Typen. Von deiner positiven Energie ließen sie sich bisher dennoch bereitwillig anstecken. Nun aber entsteht der Eindruck, deine Anwesenheit, wirke in permanenter Gegenwart der düsteren Diagnose und brächte dem Gegenüber damit eine Schwere ins Gemüt, die seine generelle Wahrnehmung verdunkelt. Aus dem vorhandenen Kontakt ist jedwede Leichtigkeit offiziell ausgetreten. Womöglich meidet dich die Person. Zufällige Begegnungen und Smalltalk, bringen erschütternde Alltagsberichte zutage, die zwar mehr von eben dieser Bewertung, als rationaler Dramatik zeugen, allerdings nicht minder verstörend anmuten. Insider-Tipp: Die Phrase „Wie geht’s“ solltest Du streichen. Und damit am besten gleich alles, was über faktische Tatsachen-Evaluation oder eindeutig glückseligkeitsbespielende Wattebausch-Aussagen hinausgeht.
Was machen wir denn jetzt mit den ganzen Totalversager*innen? Partei gründen und die Welt verblöden! – Verdammt, Copyright …
Na, erkennt ihr den ein oder die andere wieder? Freund*in? Erfahrung? Emotion? Dich selbst? Okay, was und wie auch immer – Regel Nr. 1: Cool bleiben. Nichts davon ist verwunder- oder gar verwerflich. Die oben skizzierten Süßmäuse gepflegter Karikatur-Eskapaden, sind tatsächlich nicht annährend so überzeichnet, wie man glauben möchte. Stattdessen verkörpern sie grundmenschliche Verhaltensweisen, die sich ebenso allgegenwärtig aufdrängen, wie auflösen lassen. Wallah!
Was ist denn jetzt aber die „richtige“ Form der Begegnung? Die Masterlösung zum Mitschreiben …. Trommelwirbel … Trommelwirbel … Trommelwirbel … Trommelwirbel …
Tadaaaa: Gibt es nicht. Punkt.
Und wenn, hätte ich berechtige Zweifel, ob wirklich gerade ich auserwählt wäre, sie der Welt mitzuteilen. Aber, was, wenn doch?! Das könnte ich nicht verantworten, überhaupt, Zweifel verputze ich ohnehin seit jeher zum Frühstück. Insofern, sehr verehrte Süßmäuse wertschätzender Krebskommunikation: Unbedingt, auf jeden Fall, eskaliere für euch auch IN den von mir geöffneten Problemräumen! Ich weiß noch nicht genau wie … wild, viel, spektakulär – und ein Hauch anmutig, ist der Plan. Ja, ich warte bis mein ADHS-Schub abgeklungen ist. Versprochen. Dürft ihr schon glauben. Bin maximal ambitioniert, aber, der heiligen Chop-Suey Ente sei Dank, auch schon wieder müde. ®
Stilsicherer, pathetischer Ausklang: Weg da, Arschbombe!
Kennt ihr eigentlich das Kinderlied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad?“ Keine Ahnung, warum mir gerade das jetzt so ungestüm ins Hirn scheppert, dass ich auf den letzten Metern noch eine total unprofessionelle Ohrwurm-Epidemie lostreten muss, statt rund, pathetisch, galant, poetisch, stilsicher abzuschließen … Bin wohl noch nicht so weit … und „eine ganz patente Frau – Wau, Wau.“ So, ciao!