Bombenstimmung
Wir schreiben den 10.04.25, 11:24 Uhr. Nach einer weiteren Nacht mit wenig Schlaf und viel Schwitzehitze, verbrachte ich den Vormittag mit Ressourcen-Shreddern ala vergebliche Arztsuche in Berlin. Dazwischen bin ich einen Moment in minimalem Chaos-Beseitigungszwang gestürzt, um kurz darauf derbe-saftig meine Partnerin anschnauzen. Alles in allem, eher so mittel erfolgreich. Nichts davon ertragsgekrönt oder gar stimmungsregulierend. Um 14:00 Uhr steht ein Termin beim Sozialdienst an, um relevante Fragen zu Anschlussheilbehandlung und Behinderungsantrag durchzusprechen (Kotz). In einer halben Stunde sollte ich also spätestens mit der Blitz-Generalüberholung meines vor sich hin schimmelnden Körpers beginnen, damit sich der lustige Spaß überhaupt noch ausgeht.
Immer diese Musster
Ich muss bei Flaschenpost bestellen, einen fälschlich erworbenen W-LAN Verstärker zurückbringen, meinen Hund vom Winterfell befreien, endlich einmal mehr die Abfallentsorgungs-Aktion (ja, hier ist das wirklich eine Aktion!) durchziehen und Altglas – Unmengen von Altglas … Schätze, um mich dem zu widmen, bedürfe es mittlerweile einer Kran- Schwerlasttransporter-Kombilösung. Mein Firmenwagen gleicht ohnehin einer Müllhalde, was ihn für die finale Gesamtentsorgung qualifiziert. Dagegen spricht, dass er demnächst abzugeben wäre, um nicht weiter das stark reduzierte Krankengeld überzubeanspruchen.
Ohne Bock kein Blog
Daneben arbeite ich an einem Blog, der zwar – mangels Beschäftigung mit dafür erforderlichen Bedingungen, z. B. Website-Anbieter, Transfer, Hosting … – dafür bereits auf ein erfülltes Leben voller schreiender Cliffhanger, zig unfertiger Artikel aufweist. Also ohne jegliche Aussicht auf das Licht der Welt schon ganz schön kaputt, der Gute. Die aufstrebende Threads-Karriere als elementarer Kernaspekt meiner neuen, erfüllenden Zukunft – liegt in der Form brach – wie meinem Gehirn mittlerweile offenbar die folgeschwere Transferleistung gelungen ist, dass die aufregende Textwelt aus Menschen besteht. Aus den gleichen Menschen, für die ich aus der Ferne außergewöhnliches Verständnis aufbringe, sie gar zu schätzen vermag – sofern sie eben genug Abstand halten, um mich nicht direkt, in echt – vor allem nachhaltig mit ihnen beschäftigen zu müssen. Die gleichen Menschen, die mit Whatsapp-Nachrichten, Telefonanrufen oder sonstigen lieb gemeinten Aufmerksamkeiten meinen Stresspegel in die Höhe preschen lassen.
Das Ambitions-Energie-Paradoxon
Als neuer Freund meines dezent autistischen ADHS brachte uns der Brustkrebs – spektakuläre Einsichten, unendliche Ambition, körperliche Einschränkungen, ein Energielevel auf Einzeller-Niveau, bei ebensolcher Frustrationstoleranz. Die exklusive Note gering ausgeprägter Impulskontrollbegabung ist immerhin unser hausinternerner Beitrag zum Gesamtkonstrukt. In Krankschreibung von gemeingültig konstruktiven Beiträgen (die uns derzeit in Next-Level-Manier als maximal trivial anekeln) befreit, laufen wir hart am Limit, mit ohne Bock auf gar nichts und parallel-visionärem Forderungsmanagement – Abteilung sofort, alles und scharf.
Nichts gelingt hervorragend. Macht Lust auf mehr.
Hatte ich erwähnt, wie meisterlich wir dabei schaffen, nichts zu schaffen? Prädestiniert um ein Buch zu schreiben. Ja im Ernst. Wir schreiben aktuell ein Buch. Wenn Sie das jetzt zu “Na, selber Schuld, dann ist auch nicht mehr zu helfen …” veranlasst, verleitet mich das zu folgender Entgegnung “Inwiefern klingt die skizzierte Situation, als wollte sie keine weitere brotlose Kunst bei sich aufnehmen?” – natürlich nicht, ohne Ihnen auch ein bisschen zuzustimmen. Und das Angebot hat noch weitere Lacher auf Lager. Anführer der zum Schlimmsten gebündelten aller relevanten Kausal-Facetten ist tatsächlich ein ganz wilder Umstand: Dieses in bisher doch schon so einigen zeit-, raum- und problemauflösende Wurmlöchern begonnene Buch, drängt sich in seiner Beschaffenheit auf, nicht von mir geschaffen, sondern aus mir raus und hart gut werden zu wollen. Was wiederum für jede andere, wesentlichere Baustelle noch weniger Bereitschaft zum schmutzigen Abarbeiten bedingt.
Biete Hamsterrad, suche Ruhe für Muse.
In meinem Kopf sind indes auch ertragsaussichtige Ideen eingezogen, solche, die mir theoretisch sogar Perspektiven zeigen, aus dem vorherigen Hamsterrad auszusteigen – ohne als unterbezahlte Nacktputze in der Autorengosse zu landen. Tja, was soll ich sagen? Ich WILL Buch schreiben. Und Blog. Und Threads. Die Gesellschaft hat kein Recht über mich zu entscheiden. Mir ständig irgendetwas aufzuzwingen. Schluss damit. Gefälligst. Sie können das ja für sich entscheiden. Aber ich bin frei. Basta …
Und hart zu spät dran für meinen wichtigen ordentlichen Termin. Es ist 12:25 Uhr. Verdammt.
PS: Jetzt rauche ich erstmal noch eine. Ja, mit Krebs! Waaaaaahhhhhh.